INNDIGO -Kunst so richtig dicht am Bau

INNDIGO – Fassadenprojekt in Berlin

Der Maler Ulrich Reimkasten wurde von einem Berliner Immobilienunternehmen im Frühjahr 2014 gebeten, einen Entwurf für eine künstlerische Überformung einer Fassade in Erwägung zu ziehen. Im Frühsommer lagen die Entwürfe vor und seit September wird im Team SEPIA Professionals (U. Reimkasten, T. Ehmke, M. Feistauer und B. Schätz) umgesetzt. Fertigstellung ist voraussichtlich Anfang November 2014. U.Reinmkasten beantwortet hier und heute drei Fragen zum Projekt.

Welches Ziel hat diese Art der Fassadenmalerei? Soll der Betrachter getäuscht oder verwirrt werden? Warum hier?

Nein, der Betrachter soll nicht getäuscht oder verwirrt werden. Ich glaube auch nicht, dass dies die nachhaltigen Eindrücke sein werden, auch wenn der flüchtige Blick dies vielleicht erscheinen lässt. Das Ziel dieser künstlerischen Gestaltung einer Hausfassade war die Erfüllung einer Aufgabe. Dafür habe ich eine Lösung entwickelt. Diese Lösung ist bewusst kein Illusionismus, sondern eine reale Fassade eines realen Hauses und aus diesem Grunde habe ich ausschliesslich horizontal vertikale Linien verwendet. Die Wirkung beruht hier nicht allein auf einem Motiv oder einer Struktur. Ich habe beim Entwurf auch Licht und sich bewegende Passanten mit sich ändernden Perspektiven berücksichtigt. Ich würde ungern die ganze Stadt so gestaltet wissen. Es hat seine Zeit und seinen Ort gefunden.

Ist dies an eine bestimmte Technik oder Methode  gebunden? Wie kamen Sie auf die Idee?

Nun, es handelt sich weniger um eine Technik, sondern mehr um ein Verfahren, Bilder als Ganzes auch in einem solchen Zusammenhang zu erzeugen. Rein technisch ist es eine Fassadenmalerei, wenn auch eine ungewohnt abstrakte. Ich vermute hinter Ihren Fragen aber auch ein anderes Interesse. Wie kommt ein solches Bild zustande, warum dieser Abstraktionsgrad? Sie bemerken in Berlin derzeit sicher auch eine Renaissance dieser Kunst, Fassaden neu zu gestalten. Häufig jedoch sind diese sehr plakativ und nicht wirklich baugebunden.

Das ist nicht meine Art, mich einem solchen Projekt zu nähern, deshalb bezeichne ich meine angewandte Arbeit auch als neue Form von Gebrauchskunst, die von vielfältigen Parametern wie Architektur, Urbanität oder Auftraggeber abhängig ist. Das bedeutet eben auch, diese Merkmale in die Arbeit einfliessen zu lassen und eine Sprache zu finden, die dem gerecht werden kann. Aber es gibt keine konkrete Quelle für die Arbeit INNdigo. Ich beziehe mich auf meine Erfahrungen aus meiner vierzigjährigen künstlerischen Tätigkeit, meinem hier erarbeiteten Formenalphabet. Ich lebe im Bewusstsein des Wandels, sich permanent entwickelnder Möglichkeiten- auch im Ergebnis neuer und spannender Aufgaben, die wir uns erschliessen. Der Kunsthistotiker Penzel hat jüngst über meine Malerei geschrieben: “Reimkastens Gemälde lassen sich aber nicht nur als Konfigurationen von Energie beschreiben, sondern ebenso als ein verdeckter, sich in den malerischen Strukturen und Formen entfaltender Symbolismus…. Es sind kompositorische Zustände von Ordnung und Chaos:” Vieleicht ist das auch eine Antwort auf Ihre erste Frage.

Wie kam die Zusammenarbeit zustande? Und wie ordnet sich das Werk in Ihre Arbeit ein? 

Letztlich sind es immer die guten Zufälle, die gute Projekte entstehen lassen. So habe ich im Frühjahr 2014 einen Anruf erhalten, mit der Bitte einen Bauherren spontan zu treffen. Da ich eh zu einem Termin in Berlin war, bin ich kurz entschlossen nach Neukölln gefahren. Alles weitere ging dann recht schnell. Ich möchte aber auch bemerken: die Qualität eines Werkes ist nur so gut, wie die des Auftraggebers. Er muss wissen, was er will und den notwendigen Vertrauensraum öffnen. Das war hier so.

Und natürlich ist die hier zugrunde liegende Struktur eine eigene künstlerische Erfindung allein für dieses Haus, die an eines meiner künstlerischen Motive gebunden ist: die Dynamisierung geometrisch- ornamentaler Strukturen – ein ganz zentrales Merkmal in meiner Arbeiten der letzten Jahre. Diese Richtung meiner Aufmerksamkeit ist immer auch im Zusammenhang mit der Beschäftigung mit der digitalen Jacquard-Weberei und ihren Möglichkeiten zur Auflösung des klassischen Musterrapports zu sehen. Ein spannendes Thema für die Immobilienbranche: Textile Prinzipien in der Architektur.

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