AUF TEPPICHEN SCHREITEN

Künstlerisches Aufmass der Wahlleistungsstation im S. Elisabeth und St. Barbara Krankenhaus Halle (Saale)

Autoren: Ulrich Reimkasten und Andreas Köppe, 2018

Ein Aufenthalt im Krankenhaus ist eine Unterbrechung des gewohnten Alltags und eine Ausnahme, die nicht zwingend als unangenehm empfunden werden sollte. Die medizinische Behandlung soll durch die ästhetischen Komponenten einer künstlerischen Gestaltung, durch Licht, Farbe, Material, Proportion und Form ergänzt werden. Kunst soll hier Heilkunst sein. Es geht uns weniger um Attraktivität oder Lifestyle, jedoch um eine anspruchsvolle, hochwertige Gestaltung mit einer besonderen Atmosphäre unter eindeutigen wie komplexen inhaltlichen Erfordernissen.

Das lichtdurchflutete Zimmer. Wir lieben die Sonne und das Licht. Durch helle und hellste, lichte, zarte Grautöne mit minimalen Anteilen von Rot, Gelb und Blau der Wände, Möbel und Teilen des Bodens erzeugen wir eine warme sonnige Atmosphäre. Die Räume erstrahlen offensichtlich in sonnigem Licht. In Kombination warmer und kühlerer Töne, bei Vermeidung grösserer Hell- Dunkel- Kontraste entsteht ein Spiel von Licht und Schatten. Es entsteht eine transparente Wirkung, die an eine lichtdurchlässige Membran denken lässt. Die Mauern lösen sich auf im Licht. Aus dem Zimmer wird ein Zelt, eine leichte, mobile, Unterkunft, ein Schutzraum.

Auf Teppichen schreiten. Im Kontrast zur hellen und reduzierten Farbigkeit der Wände zeigen die Böden kräftige und harmonische Farben. In einer sehr freien Geometrie in geraden, klaren Linien erinnert ihre Struktur an jene sich überlagernder Teppiche. Die im Wesentlichen naturhaften Töne des Linoleums erlauben es, eine sehr harmonische Wirkung, auch mit deutlichen Farbton- und Helligkeitsunterschieden zu komponieren. Sie scheinen logisch, sind visuell sehr präsent und dennoch nicht leicht erklärbar. Die Linien animieren dazu sie meditativ zu entschlüsseln. Sie geben Anlass zum Zeitvertreib. Die farbigen Flächen wirken wie sorgfältig geordnet und zugleich wie provisorisch abgelegt. Wie man es mit zu vielen Teppichen tut, die man aus Platzgründen übereinander legt. So wie man es in einem Nomadenzelt erwartet. Ein Arrangement nicht für die Ewigkeit.

Das Innere sei still! Ganz als Kontrastprogramm ist der Flur gestaltet. Im Unterschied zu den sonnendurchfluteten Zimmern dominieren hier sehr dunkle Farben. Der Flur liegt zwischen den beiden Reihen der Zimmer. Umbra, Schatten neben der Helle. Höhle.  Über die Bodengestaltung werden Flur und Zimmer miteinander verbunden. Farbige Flächenkompositionen unterbrechen und beleben den langen Flur. Das (eigene) Zimmer kündigt sich an. Besondere Orte- Schwesterndienstplatz, Aufenthalts- und Untersuchungsraum- werden mit Farbwechsel- Bodenbildern- angekündigt, die Eingangszone abgehoben.

Mobile Bilder. In allen Räumen hängen Gemälde, meist Studentenarbeiten, malerische Qualität mit Charme, jugendlicher Frische und Witz. Diese Bilder verleihen den Zimmern eine jeweils individuelle Note und den gemeinsamen Orten einen exklusiven Charakter. Alles wird wohnlich. Die mobilen Kunstwerke komplettieren das Gesamtkonzept.

(U. Reimkasten Auszüge aus dem Konzept der Künstler. Fotos: SEPIA/J. Blobl)