VON LINIEN UND KREUZEN

Von Linien, Kreuzen und Zwischenräumen und…

Die SEPIA-Mitglieder Anna Maria Gawronski gestalteten für die Martin-Luther-Kirche in Borken neue Paramente und Fastentuch. Die in den 1950er Jahren gebaute und im Innenraum 2016 komplett umgestaltete Kirche hat nun abschliessend einige gute „Stücke“ textilkünstlerischer Tradtion zurückerhalten. Textile Prinzipien und Grenzgänge in Technik und Material liegen den Arbeiten zugrunde.

Anna Gawronski dazu: „Bei dieser Arbeit setze ich mich mit den Elementen des Kreuzzeichens auseinander. Folgt man den Handbewegungen, entstehen im Raum vertikale und horizontale Linien des Kreuzes. Eben diese Grundlinien prägen den Inhalt der vier Paramente. So wachsen im grünen Gewebe Filzstreifen und Garn senkrecht in die Höhe. Das violette Email besteht hauptsächlich aus ruhigen, waagerechten Streifen. In den Paramenten Rot und Weiss unterstreicht die Vereinigung von senkrechten und waagerechten Linien die besonderen Anlässe.

Meine Materialwahl findet den Bezug zu traditionellen Paramenten. Das in reiner Seide gestickte rote Parament unterstreicht den besonderen Anlass durch das Verwenden des edlen Garns. Schmuck-Email ziert seit dem Altertum sakrale Objekte, dort knüpft das violette Parament an. Das Parament Grün verkörpert die klassisch gewebte Technik bei Paramenten in moderner Ausprägung. Walnuss und Ahorn sind zwei regionale Hölzer mit einer langen Tradition in der Holzkunst. So bestanden antike Paramente in Teilen aus edlen Hölzern — diesen historischen Bezug bildet
das weisse Parament.“

Fotos: SEPIA/ Martin C. Schmidt